DesignNov 02, 2026, 2:22 PM

Barbara Buser: Eine Pionierin der Kreislaufwirtschaft in der Architektur

Barbara Buser: Eine Pionierin der Kreislaufwirtschaft in der Architektur
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Der Dokumentarfilm "Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit" rückt die beeindruckende Arbeit der Schweizer Architektin Barbara Buser in den Mittelpunkt, die als eine der führenden Persönlichkeiten im Bereich nachhaltigen Bauens gilt. Der Film, der seit dem 29. Oktober in deutschen Kinos zu sehen ist, porträtiert Buser als eine Architektin, die sich der Wiederverwendung von Materialien und der Transformation brachliegender Gebäude verschrieben hat. Am 19. November wird sie zudem auf dem Klimafestival für die Bauwende in Berlin sprechen.

Einblicke in Barbara Busers nachhaltiges Architekturverständnis

Die 1954 geborene Barbara Buser, ausgezeichnet mit dem renommierten Prix Meret Oppenheim, ist Mitbegründerin des Basler Architekturbüros in situ und mehrerer assoziierter Unternehmen. Seit den 1980er-Jahren prägt sie nicht nur als Chefin und Kollegin, sondern auch als Hausbesitzerin und Stadtgestalterin ganze Stadtviertel. Der Dokumentarfilm zeigt Buser in diesen vielfältigen Rollen als engagierte Bewahrerin von Bauwerken und Bauteilen. Die Regisseurin Gabriele Schärer, die Buser während ihrer Recherchen zur "Caring Economy" entdeckte, schildert, wie Buser ein ganzheitliches und transdisziplinäres Verständnis von Architektur pflegt. In ihren Unternehmen steht nicht der Profit im Vordergrund, sondern, wie Buser es nennt, eine "Stadtrendite", die dem Wohl der Gemeinschaft dient.

Das Franck Areal in Basel: Von der Fabrik zum lebendigen Kulturquartier

Ein zentrales Projekt, das im Film beleuchtet wird, ist die Entwicklung des Franck Areals in Basel. Auf dem Gelände einer ehemaligen Senf- und Mayonnaisefabrik, das in situ als Baurechtnehmer betreut, entsteht ein neues Kulturquartier. Buser führt Interessierte durch das Areal und erläutert ihren Ansatz: bestehende Gebäude sollen erhalten und mit wiederverwendeten Materialien umgestaltet werden. Das Kreislaufhaus, ein Teil dieses Quartiers, beherbergt Start-ups, die sich der Kreislaufwirtschaft widmen. Bereits jetzt beleben zahlreiche Zwischennutzungsprojekte und eine vielfältige Gastronomie das Franck Areal.

Das Gundeldinger Feld in Basel: Ein Stadtviertel als Meisterwerk

Ein weiteres bedeutendes Wirken Busers ist das Gundeldinger Feld in Basel, ein Stadtquartier, das sie gemeinsam mit in situ entwickelt und als Bewohnerin mitgeprägt hat. Es gilt als eines ihrer architektonischen Meisterwerke und beherbergt auch das Büro von in situ sowie Busers eigenes Wohnhaus. Die Kamera fängt die persönliche Ästhetik ihres Hauses ein, geprägt von offenen Garderoben, afrikanischen Holzfiguren, vielfältigen Böden, Bücherregalen und einem gemütlichen Ambiente. Buser erzählt im Film, wie sie das Haus ihres Großvaters durch kluge Argumentation vor dem Abriss bewahren konnte – eine Fähigkeit, die sie auch bei der Rettung ganzer Industrieareale einsetzt. Ihr Büropartner Eric Honegger bestätigt ihre Fähigkeit, "für jeden den richtigen Ton" zu finden und erfolgreich zu verhandeln.

K.118 in Winterthur: Globale Anerkennung für nachhaltiges Bauen

Zu den Höhepunkten in Barbara Busers Karriere zählt die Auszeichnung des Projekts K.118 auf der Architekturbiennale in Venedig 2021 mit dem Global Holcim Foundation Award Gold for Sustainable Construction. In diesem Projekt wurde ein historischer Hallenkopfbau in Winterthur um drei Etagen erweitert, wobei hauptsächlich wiederverwendete Materialien zum Einsatz kamen. Marc Angst, Experte für Wiederverwendung bei in situ, erklärt im Film, dass hier erstmals Stroh als Baustoff für ein so hohes Gebäude im Kanton Zürich verwendet wurde. Die Wandkonstruktion des K.118 zeigt die innovative Kombination aus einem rot gestrichenen Aluminium-Außenblech einer Druckerei, brandschützenden Gipsfaserplatten, gepressten Strohballen und Lehm aus der Region Winterthur. Treppen und Fenster stammen aus einem ehemaligen Bürogebäude in Zürich, was die Herausforderungen und Chancen der Materialwiederverwendung unterstreicht, die ein präzises Timing erfordern.

Transa Headquarter in Zürich: Bauteiljägerinnen für eine Zero-Waste-Zukunft

Der Film verdeutlicht, dass Busers Erbe in in situ fortgeführt wird, auch durch die jüngere Generation. Ein Beispiel ist die Architektin Laia Sofia Meier, die als "Bauteiljägerin" – ein interner Begriff für Projekte, bei denen Materialien aus Rückbau gewonnen werden – erste Erfahrungen sammelte. Gemeinsam mit Barbara Buser präsentiert Meier im Film ein Zero-Waste-Projekt, das 2022 mit dem Schweizer Outdoor-Ausrüster Transa umgesetzt wurde. Dabei wurden abgehängte Decken aus dem Ursprungsbau in Stücke geschnitten und als Wände wiederverwendet. Meier hebt hervor, wie der Entwurf sich an die verfügbaren Materialien anpassen musste, um den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Besonders stolz ist sie auf die Entdeckung einer Forster-Küche, die in den Transa-Büros verbaut wurde. Ein Unternehmen namens Nomol widmet sich mittlerweile ausschließlich der Wiederverwendung solcher Küchen.

Dieser Dokumentarfilm über Barbara Buser ist nicht nur eine Hommage an das Lebenswerk einer außergewöhnlichen Architektin, sondern bietet auch tiefgreifende Einblicke und praktische Beispiele, wie die Bauwende auf individueller Gebäudeebene und in ganzen Stadtquartieren erfolgreich gestaltet werden kann. Busers Engagement und ihr ganzheitlicher Ansatz inspirieren dazu, die gebaute Umwelt neu zu denken und nachhaltige Lösungen aktiv voranzutreiben.

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