ArchitekturJul 07, 2026, 11:21 AM

BDB-Strategie für klima- und krisenfeste Bauten: Ein Zehn-Punkte-Plan

BDB-Strategie für klima- und krisenfeste Bauten: Ein Zehn-Punkte-Plan
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Angesichts jüngster extremer Wetterereignisse und vielfältiger Krisen hat der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB) einen umfassenden Strategieplan vorgestellt. Dieser „Resilienz-Bauplan“ ist eine Reaktion auf die wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel und soll einen Fahrplan für den Umbau der gebauten Umwelt liefern. Ziel ist es, Deutschland und Europa auf zukünftige Belastungen vorzubereiten und Gebäude, Infrastruktur sowie urbane Räume robuster gegen Hitze, Stürme, Hochwasser, aber auch Versorgungsengpässe und andere Bedrohungen zu gestalten. Der BDB fordert damit einen Paradigmenwechsel in der Baupolitik – von der reaktiven Schadensbewältigung hin zur proaktiven Vorsorge.

Zehn Schritte zu einer widerstandsfähigen Zukunft: Der BDB-Aufruf zum Umdenken im Bauwesen

Die Bedeutung vorausschauender Stadtentwicklung und Risikoanalyse

Der BDB betont die Notwendigkeit belastbarer Risikoanalysen für Standorte und öffentliche Risikokarten, die zukünftige Szenarien berücksichtigen. Eine regelmäßig angepasste Bauleitplanung soll sicherstellen, dass Risiken wie Starkregen, Hitzewellen, Überschwemmungen und Trockenheit frühzeitig in die Siedlungs- und Freiraumentwicklung einfließen. Dazu gehören auch Konzepte für Entsiegelung, Renaturierung, Stadtbegrünung und Wasserspeicherung, um Kommunen zu befähigen, Risikodaten effektiv in die Planung zu integrieren.

Sicherstellung kritischer Infrastrukturen für Krisenzeiten

Es wird gefordert, bundesweit Energie-, Mobilitäts-, Wasser- und Versorgungsnetze systematisch zu erfassen und mittels verbindlicher Umbaupläne zu modernisieren. Als resiliente Lösungsansätze werden Ringnetze, dezentrale Umspannwerke, Microgrids und quartiersbezogene Wärmeplanung sowie die Nutzung von KWK- und PV-Anlagen mit Speichertechnologie genannt. Dies soll gewährleisten, dass eine funktionierende Grundversorgung auch unter Extrembedingungen, bei Angriffen oder anderweitigen Ausfällen gewährleistet bleibt.

Nachhaltige Nutzung des Bestands als Materialquelle

Gebäude und Infrastrukturen sollen in Zukunft verstärkt als Material- und Rohstoffquellen betrachtet werden. Hierfür plädiert der Verband für ein öffentlich zugängliches Ressourcenkataster, verpflichtende Ökobilanzen und digitale Gebäudepässe für öffentliche Gebäude. Diese Pässe sollen Baustoffe, Bauteile und Nutzungspotenziale dokumentieren. Rückbau soll nur erfolgen, wenn Umbau, Umnutzung, Aufstockung oder Weiterverwendung ausgeschlossen sind. Die Aus- und Weiterbildung von Bauexperten soll zudem auf eine qualitätsvolle Bestandsnutzung ausgerichtet werden.

Regionales und langlebiges Bauen: Stärkung der Baukultur

Resilientes Bauen soll sich stärker an lokalen Gegebenheiten, Klima und regionalen Bautraditionen orientieren. Der BDB spricht sich für robuste Low-Tech-Konstruktionen, die Verwendung regionaler Baustoffe und die Förderung regionaler Wertschöpfungsketten aus. Langlebige Gebäude mit flexiblen Umnutzungsmöglichkeiten, im Sinne einer „Um-Bauordnung“, sind anzustreben, wobei das Baurecht Nutzungsänderungen nicht behindern darf.

Verpflichtende Klimarisikobewertung für Bauprojekte

Klimarisikoanalysen sollen ein verpflichtender Bestandteil von Bauanträgen werden, insbesondere für kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und Kindergärten. Gebäude müssen nachweislich auf zukünftige Belastungen wie Hitze, Starkregen, Sturm oder Überflutungen vorbereitet sein. Dabei sind nicht nur das Grundstück, sondern auch das gesamte Quartier, die Infrastruktur und die Zugänglichkeit im Krisenfall zu berücksichtigen. Eine fundierte Datengrundlage, die Informationen aus der Versicherungswirtschaft, von Kommunen, Wasserwirtschaft, Forschung und Katastrophenschutz zusammenführt, ist entscheidend für Planungsentscheidungen.

Anpassungsstrategien frühzeitig in die Gebäudeplanung integrieren

Jede Klimarisikoanalyse muss eine konkrete Anpassungsstrategie nach sich ziehen, die integraler Bestandteil der Planungsaufgabe wird. Bauherrschaften sollen frühzeitig über Risiken, Schutzmaßnahmen, Werterhalt und Versicherbarkeit aufgeklärt werden. Neubauten und Bestandsumbauten sind so zu konzipieren, dass Schäden durch Naturgefahren vermieden oder begrenzt werden, beispielsweise durch Schutz vor eindringendem Wasser. Weitere Maßnahmen umfassen hitzerobuste Grundrisse, effektive Verschattung, natürliche Nachtlüftung, passive Kühlung, robuste Fassaden und Dächer, sichere Haustechnikstandorte, rückstaufeste Entwässerung und widerstandsfähige Außenanlagen.

Modernisierung von Verfahren und Vereinheitlichung von Standards

Der BDB fordert vereinfachte und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine stärkere Vereinheitlichung von Bauordnungen sowie einen Rechtsrahmen, der klimaresiliente und multifunktionale Lösungen fördert und Innovationen ermöglicht. Baunormen und Baustandards sollen verstärkt nach Risikogesichtspunkten klassifiziert werden.

Klare Regelung von Leistungen und angepasste Honorare

Neue Planungsleistungen wie Ökobilanzierung, Materialberatung, Biodiversitätsstrategien, Klimarisikoanalysen und Anpassungskonzepte sollen klar definiert und als besondere Leistungen angemessen vergütet werden. Zudem müssen die Verantwortlichkeiten für Bauherrschaft, Fachplanung, Landschaftsplanung, Brandschutz, technische Ausrüstung, Projektsteuerung und Betrieb eindeutig geregelt werden. Interdisziplinäre Machbarkeitsstudien ab Phase 0 können Fehlentscheidungen vorbeugen.

Weiterentwicklung von Lehre und Ausbildung für Resilienz

Resilienz, Nachhaltigkeit, Lebenszyklusbetrachtung, Klimarisikoanalysen, Baukultur, Regionalität und soziale Resilienz sollen verpflichtender Bestandteil von Studium, Ausbildung und Fortbildung werden. Dies soll die notwendigen Kompetenzen für eine klimaresiliente Baupraxis aufbauen. Spezifische Lehrangebote zu Klimarisiken, Katastrophenvorsorge, langlebigen Konstruktionen, Low-Tech-Strategien, Kreislaufwirtschaft, Rückbau und Wiederverwendung, dem Schwammstadt-Prinzip, Hitzevorsorge und sozialer Infrastruktur sind verbindlich einzuführen.

Integration von Schutzräumen und sozialer Resilienz in die Planung

Zukünftig sollen Gebäude, Quartiere, Siedlungsgebiete und öffentliche Räume auch Funktionen als Schutz-, Versorgungs- und Orientierungsorte übernehmen. Der BDB nennt multifunktionale Strukturen, ein öffentliches Schutzraumkataster und transparente Krisenkommunikation als zentrale Elemente einer resilienten Gesellschaft. Der Verband betont, dass eine Baupolitik, die auf Vorsorge statt auf Schadensbewältigung setzt, entscheidend für die Sicherheit, Versorgung und Lebensqualität der kommenden Jahrzehnte ist.

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