Berlin wird zur Designmetropole: Die „Currents“-Plattform belebt die Szene
Inmitten der pulsierenden Kreativität Berlins hat die oft fragmentierte Designszene nun eine zentrale Anlaufstelle erhalten. Die jüngst ins Leben gerufene Plattform „Currents. Design in Berlin“ verspricht, die breite Palette an Produkt- und Interiordesign für ein breiteres Publikum sichtbar zu machen. Dieses dreitägige Ereignis, das vom 10. bis 12. September parallel zur renommierten Berlin Art Week stattfindet, bündelt die Kräfte von rund 80 Ausstellern und bietet eine einzigartige Gelegenheit, die neuesten Trends und künstlerischen Ausdrucksformen der Berliner Gestaltungswelt zu entdecken. Die Initiative, die von den erfahrenen Journalistinnen Jasmin Jouhar und Laura Ewert ins Leben gerufen wurde, schließt eine Lücke in der bisherigen Präsentation der Stadt als Designstandort und schafft eine kohärente Plattform für Dialog und Innovation. Die Veranstaltung legt den Fokus nicht nur auf die Präsentation von Objekten, sondern auch auf den Diskurs über die Zukunft des Designs, die Rolle Berlins als Kreativzentrum und die Förderung von Nachwuchstalenten, wodurch sie über eine reine Ausstellung hinausgeht und eine lebendige Austauschplattform bietet.
Design in Berlin feiert seine Premiere: Eine Reise durch die kreativen Hotspots der Stadt
Vom 10. bis zum 12. September 2026 verwandelt sich Berlin in ein Mekka für Designliebhaber, wenn die „Currents. Design in Berlin“-Plattform ihre Pforten öffnet. Dieses frische Format, zeitgleich mit der 15. Berlin Art Week, bündelt die Energie der Stadt und präsentiert an verschiedenen Schauplätzen die Innovationskraft der lokalen Produkt- und Interiordesignszene. Hier eine Auswahl der führenden Standorte und ihrer besonderen Angebote:
Wilhelm Hallen, Eröffnung am 4. September: Die „Overview Effect“-Erfahrung
Bereits am 4. September beginnt in den geschichtsträchtigen Wilhelm Hallen die von Anna Carnick kuratierte Ausstellung „The Overview Effect“. Inspiriert vom atemberaubenden Blick der Astronauten auf die Erde aus dem Kosmos, erforschen Künstler wie Virginia San Fratello, Fernando Laposse und Tara Sakhi das komplexe Zusammenspiel von Design, Ökologie und unserer gemeinsamen Zukunft auf diesem Planeten. Parallel dazu beleuchten Meyers & Fügmann in „The Global Mélange: Interwoven Latitudes“ die Verflechtung von Rohmaterialien und Recycling, während der Bolon-Showroom zuvor in Mailand gezeigte Werke von Martino Gamper zur Schau stellt.
Eternithaus im Hansaviertel, 10.-12. September: Dialog und Begegnung
Das denkmalgeschützte Eternithaus wird zum intellektuellen Herzstück des Festivals. Täglich widmet sich das Diskussionsformat „Currents Agenda“ den entscheidenden Zukunftsfragen der Branche – von Berlins Rolle als Kreativzentrum über das Unternehmertum von Designern bis hin zur Evolution der Designausbildung. Im Anschluss öffnet die „Currents Bar“ ihre Tore und lädt zum ungezwungenen Austausch und zur Vernetzung ein.
Ebenfalls im Eternithaus präsentiert Mono die Ergebnisse der „Mono Summer Residency“, einem Gemeinschaftsprojekt mit der UdK Berlin. Studierende wie Garance Pröbsting und Jan Cichon haben einen Pop-up-Stand kreiert, der die Besucher mit Pommes und Eis erfreut, während gleichzeitig ein neues Mono-Produkt des UdK-Studenten Oskar Poetsch enthüllt wird.
Dahlem, 10.-12. September: „Soft Commons“ der Weißensee Kunsthochschule
Abseits des pulsierenden Zentrums, im Forschungscampus Dahlem, lädt die Weißensee Kunsthochschule Berlin zur Ausstellung „Soft Commons“ ein. Essi Johanna Glomb und Katrin Steiger haben eine Sammlung kuratiert, die Textilien nicht nur als Material, sondern als soziale Infrastruktur begreift. Hier werden Materialexperimente und Performances präsentiert, die zeigen, wie textile Praktiken Gemeinschaft stützen und öffentliche Räume transformieren können.
Am Tacheles in Mitte, 10.-12. September: Wohnen als Kunstform
Das einst von Künstlern und Subkulturen bewohnte Tacheles-Areal in Mitte wird zum Schauplatz für temporäre Ausstellungsräume in exklusiven Apartments und Townhouses. e15 inszeniert in „Interior Dialogues“ eigene Möbelstücke in Kombination mit Accessoires von Andreas Murkudis und Kunstwerken der Galerie Mehdi Chouakri. Maj van der Linden versammelt in „Narratives of Making“ materialbasierte Positionen, die die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Funktion verschwimmen lassen. Im Townhouse von Herzog & de Meuron feiert Reuber Henning die Deutschlandpremiere der handgeknüpften Teppichkollektion „ONO“, während Loehr unter dem Titel „Himmel über Berlin“ zwölf Stühle in einem von Kolors entwickelten Farbton präsentiert, die von Wastberg+ lighting kunstvoll in Szene gesetzt werden.
Jalousiefabrik in Kreuzberg, 10.-12. September: 15 Positionen vor dem Umbau
Kurz vor ihrer Sanierung öffnet die Jalousiefabrik in der Pücklerstraße 24 ihre Türen für 15 Designlabels. Studio Llot Llov zelebriert sein 20-jähriges Bestehen mit neuen Entwürfen, die traditionelle Handwerkstechniken wie Makramee zeitgenössisch interpretieren. Pascal Hien und Tecta gewähren mit „Erlkönig – Design in Process“ Einblicke in die Entwicklung ressourcenschonender Polstermöbel-Prototypen.
Blumenladen Marsano, 10.-12. September: Pflanzgefäße von Bruzkus Greenberg
Im Blumenladen Marsano enthüllt das Architekturbüro Bruzkus Greenberg seine modulare Pflanzgefäßserie „brut“, die in Zusammenarbeit mit dem Betonatelier Gravelli entstand. Die monolithischen, kubischen Entwürfe stehen in einem spannenden Kontrast zu üppigen Pflanzen und betonen die skulpturale Qualität des Materials – eine perfekte Gelegenheit für einen floristischen Einkauf.
Galerie Nothelfer, 10.-12. September: „Follow the White Rabbit“
An der Schnittstelle zwischen sammelbarem Design und zeitgenössischer Kunst lädt die Gruppenausstellung „Follow the White Rabbit“ mit surrealen, hybriden Objekten zur Hinterfragung unserer Wahrnehmung ein. Gisbert Pöppler präsentiert tischartige Bildträger aus Silbermetall, während Heike Buchfelder gefaltete Lichtobjekte ausstellt, die die Grenzen zwischen funktionaler Gestaltung, abstrakter Malerei und humorvoller Materialstudie aufheben.
San Gimignano in Lichtenberg, 10.-12. September: „Liquid Resonance“
Etwas abseits des Trubels, aber äußerst sehenswert, bietet San Gimignano in Lichtenberg eine einzigartige multisensorische Erfahrung. Analog Glass und AOIRO präsentieren „Liquid Resonance“, eine Rauminstallation, die glatte Glaskörper mit dem freigesetzten Duft von AOIRO kombiniert. Ein haptisches und olfaktorisches Zusammenspiel, das Bewegung, Form und Geruch im Raum auf faszinierende Weise erlebbar macht.
OUVERTURE in Berlin-Mitte, 10.-12. September: „Marble Shaping Space“
Gonzalez Haase AAS stellt gemeinsam mit dem Münchener Designstudio Marbledworks Möbel und raumgreifende Objekte aus Marmor bei OUVERTURE in Berlin-Mitte vor. Die von Judith Haase und Pierre Jorge Gonzalez kuratierte Ausstellung „Marble Shaping Space“ vereint Werke aus der Reihe „Spatial Objects“, die Materialität, Nutzung und räumliche Wirkung gekonnt verbinden. Hier ist auch der neue modulare „Baton Wardrobe“ aus Edelstahl, schwarz lasierter Eiche und Marmor zu sehen.
Bauakademie, 10.-12. September: „Urban Tissue“ von Thilo Reich
Im Roten Saal der Bundesstiftung Bauakademie und auf dem umliegenden Gelände zeigt Thilo Reich mit „Urban Tissue“ skulpturale Arbeiten. Diese interpretieren urbane Oberflächen als Träger von Erinnerungen, indem sie Spuren von Asphalt und Pflaster durch Silikonabformungen festhalten und in Aluminiumgüsse übersetzen. Die so entstandenen reliefartigen Objekte und Möbel verwandeln die Stadt in ein materielles Archiv von Zeit, Transformation und menschlicher Präsenz.
Die Etablierung von „Currents. Design in Berlin“ ist ein Meilenstein für die Berliner Gestaltungswelt. Endlich hat diese international vernetzte und dynamische Szene einen gebündelten Rahmen erhalten, um ihre Vielfalt und Innovationskraft zu präsentieren. Die parallele Ausrichtung zur Berlin Art Week schafft zudem Synergien, die das öffentliche Interesse an kreativen Disziplinen verstärken dürften. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese neue Plattform in den kommenden Jahren entwickeln wird und welchen Einfluss sie auf die Wahrnehmung Berlins als bedeutende Designmetropole haben wird. Für alle, die sich für die Schnittstellen von Kunst, Design und Gesellschaft interessieren, bietet „Currents“ eine unschätzbare Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen und die Zukunft des Designs hautnah mitzuerleben.
