DesignOct 04, 2026, 5:16 PM

Das Wörterbuch des Undisziplinierten Designs: Eine Feministische Perspektive auf die Grafische Gestaltung

Das Wörterbuch des Undisziplinierten Designs: Eine Feministische Perspektive auf die Grafische Gestaltung
[ DIGITAL_PREVIEW.RAW ]

Das Buch "Wörterbuch des Undisziplinierten Designs" ist ein Grundlagenwerk für jeden, der sich mit Grafikdesign auseinandersetzt. Geschaffen von Anja Kaiser und Rebecca Stephany, hinterfragt es auf umfassende Weise die traditionellen Normen und den Kanon der Disziplin. Die Veröffentlichung dieses Buches kommt zu einem idealen Zeitpunkt, da KI-gesteuerte Bildgeneratoren die visuellen Standards immer stärker prägen. Die zweite Auflage des Werkes ist für den 6. Mai 2025 vorgesehen und wird zweifellos die Diskussionen über die Rolle und die Grenzen des Designs weiter anregen.

Das von Spector Books in Leipzig veröffentlichte "Wörterbuch des Undisziplinierten Designs" ist ein 312-seitiges Paperback, das als alphabetisches Handbuch dient. Es versammelt rund 55 Beiträge von 20 internationalen Designern, Aktivisten, Pädagogen und Theoretikern. Das zentrale Konzept der Undisziplinarität bedeutet, Design frei von Dogmen und einem einseitigen Kanon zu praktizieren. Die Herausgeberinnen, Anja Kaiser und Rebecca Stephany, beide selbst Designerinnen und Pädagoginnen, setzen sich aktiv für feministische Anliegen und intersektionale Sozialkritik ein. Das Buch entstand aus einer Reihe von Workshops und einem Symposium in Leipzig im Februar 2020 und zielt darauf ab, eine vielstimmige Definition des Designs zu schaffen. Die kompakte Größe des Buches, die an ein Künstler-Zine erinnert, mag zwar die Darstellung großformatiger visueller Essays einschränken, unterstreicht jedoch den experimentellen Charakter des Werks.

Die alphabetische Struktur des "Wörterbuchs des Undisziplinierten Designs" ist ein bewusster Akt, der jedem Eintrag gleiche Bedeutung verleiht und traditionelle Hierarchien aufbricht. Diese Form eignet sich hervorragend für eine Disziplin im Wandel, da sie Widersprüche zulässt und keine endgültigen Antworten gibt. Beispiele wie "D für Dummy Woman" oder "U für Unstable Signs" zeigen die provokative Natur der Beiträge. Die "Page-per-Voice Ratio", ein vom Autor geprägter Begriff, zeigt, dass keine einzelne Stimme dominiert, da jeder Beitrag durchschnittlich nur 5,7 Seiten umfasst. Das Buch korrigiert den eurozentrischen und männlich dominierten Designkanon, indem es feministische Perspektiven einbezieht und die Lücken in der Designgeschichte sichtbar macht. Das Werk lädt die Leser ein, ihre eigenen Annahmen zu überprüfen und das Buch als Werkzeugkasten zu nutzen, beispielsweise durch das "Entry Point Reading" oder das "Canon Audit", um die Grenzen des eigenen Designverständnisses zu erweitern. Es ist eine unverzichtbare Lektüre für Pädagogen, Studioleiter und Studenten, die ein tieferes, kritischeres Verständnis von Design entwickeln möchten und sich von starren Regeln lösen wollen.

Dieses wegweisende Handbuch ist nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit dem Designkanon, sondern auch ein Aufruf zu einer inklusiveren und verantwortungsvolleren Designpraxis. Es ermutigt uns, Dogmen zu hinterfragen und Design als ein lebendiges, sich ständig entwickelndes Feld zu begreifen, das von Vielfalt und dem Mut zur Experimentierfreude lebt. In einer Welt, die zunehmend von automatisierten visuellen Inhalten geprägt ist, wird die Fähigkeit, kritisch zu denken und unkonventionelle Wege zu gehen, immer wertvoller. Dieses Buch lehrt uns, dass wahre Innovation oft dort entsteht, wo Regeln gebrochen und neue Perspektiven zugelassen werden, und inspiriert zu einer Designzukunft, die mutig und bewusst neue Standards setzt.

Weitere Artikel