DesignOct 29, 2026, 8:19 PM

Eine neue Ära für das Designmuseum Gent: Nachhaltigkeit trifft auf historische Baukunst

Eine neue Ära für das Designmuseum Gent: Nachhaltigkeit trifft auf historische Baukunst
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Das Designmuseum Gent erstrahlt in neuem Glanz dank eines zukunftsweisenden Erweiterungsprojekts, das eine harmonische Verbindung zwischen historischem Erbe und moderner, nachhaltiger Architektur schafft.

Architektur, die Brücken schlägt: Das Designmuseum Gent als Verbindung von Geschichte und Innovation

Ein visionärer Neubau im historischen Herzen Gents

Mitten im Herzen der Genter Altstadt, einem Ort von unschätzbarem historischen Wert, erhebt sich ein kühner Neubau. Die Architekturbüros Carmody Groarke, ATAMA und RE-ST haben für das Designmuseum Gent eine Erweiterung realisiert, die sich in ihrer Dimensionierung mutig von der Umgebung abhebt. Trotzdem fügt sie sich, dank eines respektvollen Entwurfs, der den mittelalterlichen Charakter der Stadt würdigt, nahtlos in das Stadtbild ein. Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das sowohl die reiche Geschichte Gents ehrt als auch einen Blick in die Zukunft der Architektur erlaubt.

Eine überwindene Baulücke: Dreißig Jahre bis zur Realisierung

Die Grasbrug, ein bedeutendes Element der Genter Infrastruktur, bot lange Zeit den Blick auf eine unschöne Baulücke in der Drabstraat. Diese entstand, nachdem in den 1970er Jahren zwei marode Gebäude abgerissen wurden. Schon in den 1990er Jahren gab es Pläne, diese Lücke mit einem neuen Eingangsbereich für das Designmuseum zu schließen, doch finanzielle Engpässe verzögerten das Vorhaben um mehr als drei Jahrzehnte. Erst im Jahr 2018 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den die Büros Carmody Groarke, ATAMA und RE-ST für sich entscheiden konnten. Ihr Entwurf überzeugte durch einen kompromisslosen Fokus auf Nachhaltigkeit und innovative Baumaterialien. Das Gebäude wurde fast vollständig in Holzbauweise errichtet und mit Hanf gedämmt. Ein besonderes Highlight sind die rund 82.000 weißen Ziegelsteine, die zu 70 Prozent aus lokalen Abfällen wie gemahlenem Beton, Glas und Sanitärkeramik bestehen und ohne Brennvorgang gepresst wurden. Diese Materialwahl verweist auf die helle Optik der berühmten Genter Türme und unterstreicht die lokale Verbundenheit des Projekts.

Ein markanter Turm prägt die historische Silhouette

Der Erweiterungsbau ist bewusst als Turm konzipiert, der die umgebenden zwei- bis vierstöckigen historischen Gebäude überragt. Die Fassade, die nur von wenigen großen Fensteröffnungen durchbrochen wird, verleiht dem Bauwerk eine robuste und wehrhafte Anmutung. Eine zweistöckige Auskragung mit Pultdach und ein einstöckiger Annex an der Nordseite lockern die strenge Form auf. Letzterer beherbergt eine offene Vorhalle, die mit einer monumentalen Aluminiumtür, einem "gefrorenen Vorhang" des Antwerpener Designstudios Unfold, zur Straße hin geschlossen werden kann. Die bewegte Dachlandschaft des Turms, bestehend aus drei unterschiedlich geneigten Pultdächern und einem Flachdach, tritt in einen Dialog mit der historischen Giebellandschaft Gents und schafft eine dynamische Silhouette.

Blickbeziehungen und öffentliche Räume: Der Turm als Teil des Stadtgefüges

Die Architekten legten großen Wert darauf, eine optische Verbindung zur Grasbrug herzustellen. So öffnet sich das oberste Geschoss des Neubaus mit einem überhohen Fenster und einem vorgelagerten Balkon zur Brücke hin. Dies schafft nicht nur einen spektakulären Ausblick für die Museumsbesucher, sondern zieht auch die Blicke der Passanten an. Ein weiterer Balkon im zweiten Obergeschoss bietet zusätzliche Ausblicke nach Norden und Westen und unterstreicht die Öffnung des Museums zum urbanen Raum. Während der Eröffnungsfeierlichkeiten diente der obere Balkon sogar als DJ-Pult, was die Idee des Bauwerks als öffentliche Bühne im Stadtraum unterstreicht.

Einladender Empfang: Das neue Foyer als offene Geste

Das Designmuseum Gent, dessen kunstgewerbliche Sammlung seit 1923 im spätbarocken Palais Hotel de Coninck beheimatet ist, erhielt mit dem Erweiterungsbau einen dringend benötigten zeitgemäßen Eingangsbereich und Serviceflächen. Neben der Museumspädagogik und einem Auditorium wurden auch ein weiterer Ausstellungsraum, ein Mehrzwecksaal („Loft“) und moderne Besucherbereiche geschaffen. Im Untergeschoss entstand zudem ein klimatisiertes Depot. Das Erdgeschoss des Neubaus wird von einem großzügigen Museumsfoyer dominiert, dessen gewaltiges Glasfenster den Raum zur Drabstraat hin öffnet. Diese Transparenz soll das Interesse der Passanten wecken und das Museum zugänglich machen. Das Foyer fungiert zudem als Museumsshop und Concept Store, in dem Arbeiten der ausgestellten Designer zum Verkauf angeboten werden. Das Konzept zielt darauf ab, die Schwelle zum Museum möglichst niedrig zu halten, da der Neubau kostenlos zugänglich ist.

Symbiose von Alt und Neu: Hof und Treppenhaus

Die Rückseite des Foyers grenzt an einen der vier Höfe des Hotel de Coninck. Der Neubau fügt sich nahtlos an die historische Bausubstanz an und ermöglicht einen direkten Übergang vom modernen Foyer in den spätbarocken Hofraum, der zu den schönsten der Stadt zählt. Der über dem Hof aufragende Neubau verändert dessen Charakter spürbar und markiert ein selbstbewusstes Statement zeitgenössischer Architektur. Ein großzügiger Treppenaufgang führt vom Foyer in die oberen Stockwerke. Die ausgeklügelte Holzkonstruktion dieser Treppe ist eine bewusste Referenz an die monumentale historische Holztreppe des Hotel de Coninck, die eine der Hauptattraktionen des Museums darstellt. Die Obergeschosse des Neubaus sind flexibel gestaltet und bieten funktional offene Räume. Das „Loft“ im obersten Stockwerk, das wunderbare Ausblicke über die Stadt bietet, bildet den räumlichen Höhepunkt des Museums.

Transformation und Bestand: Eine kritische Betrachtung

Auch der 1992 errichtete Ausstellungsbau wurde umfassend umgebaut. Die ursprünglich qualitätvolle postmoderne Innenraumgestaltung des Genter Architekten Willy Verstraete wurde dabei jedoch komplett verändert. Obwohl dies zu einer Vergrößerung der Ausstellungsflächen führte, wird kritisiert, dass dabei ein Mangel an Respekt gegenüber dem Bestand an den Tag gelegt wurde. Die umgebauten Ausstellungsbereiche sind zwar flexibler, ihnen fehlt jedoch der ursprüngliche Charme. Im Gegensatz dazu wurde das historische Hotel de Coninck vorbildlich restauriert und erstrahlt nun als wahres Schmuckstück. Die Neuorganisation des Museumszugangs durch den Erweiterungsbau von Carmody Groarke, ATAMA und RE-ST ermöglicht es diesem architektonischen Juwel, seine Pracht voll zu entfalten und zugänglicher denn je zu sein.

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