ArchitekturSep 08, 2026, 8:16 AM

Erich-Mendelsohn-Preis 2026: Ziegelarchitektur im Fokus von Innovation und Tradition

Erich-Mendelsohn-Preis 2026: Ziegelarchitektur im Fokus von Innovation und Tradition
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Der Erich-Mendelsohn-Preis 2026 hat erneut die herausragende Verwendung von Ziegeln in der modernen Baukunst gewürdigt. Die prämierten Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie traditionelle Baumaterialien auf innovative Weise eingesetzt werden können, um historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig zeitgenössische sowie soziale Bedürfnisse zu erfüllen. Die Jury legte besonderen Wert auf die gestalterische Qualität, den respektvollen Umgang mit dem Bestand und die soziale Relevanz der Bauwerke.

Ausgezeichnete Projekte beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026

Am 4. September 2026 wurden die Sieger des renommierten Erich-Mendelsohn-Preises für Ziegelarchitektur feierlich bekannt gegeben. In diesem Jahr standen drei entscheidende Kriterien im Mittelpunkt der Jurybewertung: der kreative und konstruktive Einsatz von Ziegeln, der behutsame Umgang mit vorhandener Bausubstanz sowie soziale Gesichtspunkte. Der Grand Prix wurde an noAarchitecten für die beeindruckende Erweiterung von Het Steen in Antwerpen verliehen.

Grand Prix Gewinner: noAarchitecten – Het Steen, Antwerpen, Belgien

Bei der behutsamen Restaurierung und Erweiterung der mittelalterlichen Festung Het Steen gelang es noAarchitecten, Ziegel als verbindendes Element zwischen der historischen Struktur und zeitgemäßer Architektur einzusetzen. Ein neuer Gebäudeflügel ersetzt einen Anbau aus den 1950er Jahren und verschmilzt unterschiedliche Zeitebenen zu einem harmonischen Ganzen. Dieses Projekt stärkt Het Steen als historisches Wahrzeichen und öffentliche Begegnungsstätte, wobei die Jury insbesondere den sensiblen Erhalt des Bestands und die Öffnung des Denkmals für die Öffentlichkeit lobte.

Gold-Gewinner Büro- und Gewerbebau: Boltshauser Architekten – Hotel Leo, Zürich, Schweiz

Das Hotel Leo überzeugt durch seine respektvolle Integration in das historische Stadtbild Zürichs. Die Material- und Farbwahl greift die benachbarte Villa auf, während der präzise gestaltete Neubau einen neuen öffentlichen Platz schafft. Die grünliche Ziegelfassade des Hotels bildet eine Brücke zwischen Alt und Neu und setzt gleichzeitig einen markanten städtebaulichen Akzent am Rande der St. Galler Innenstadt. Nachhaltige Materialien und eine flexible Gebäudestruktur unterstützen den umweltfreundlichen Betrieb.

Gold-Gewinner Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau: Caruso St John Architects – Veemgebouw, Eindhoven, Niederlande

In Eindhoven wurde ein modernistisches Lagerhaus, das Veemgebouw, weitgehend erhalten und durch drei zusätzliche Wohngeschosse ergänzt. Die wellenförmige Ziegelfassade nimmt die Materialität des Bestands auf und entwickelt sie auf eigenständige Weise weiter. Diese markante Aufstockung des denkmalgeschützten Gebäudes mit einem begrünten Dachhof stärkt dessen Bedeutung als Orientierungspunkt im Viertel Strijp-S und schafft dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum.

Gold-Gewinner Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte: Klöpfel Zeimer Architekten – Umbau Siedlerhaus Battin, Brüssow, Deutschland

Der Umbau des Siedlerhauses Battin in Brüssow interpretiert das Archetyp des Wohnens neu. Sichtmauerwerk bildet den konstruktiven und räumlichen Ausgangspunkt für die Neugestaltung elementarer Wohnräume. Ein präziser Raumeinbau aus Sichtmauerwerk strukturiert das Siedlerhaus aus den 1950er Jahren neu. Eine begehbare Ziegelplastik verbindet die Geschosse und schafft neue Sichtachsen und Wege durch das Haus.

Gold-Gewinner Newcomer: Deborah Süß (HTWK Leipzig) – Kühlturm

Die Newcomer-Jury zeichnete den Entwurf „Kühlturm“ von Deborah Süß, Architekturstudentin der HTWK Leipzig, mit Gold aus. Das Projekt kombiniert eine Bushaltestelle mit einem öffentlich zugänglichen Kühlraum und reagiert damit auf die zunehmende Überhitzung urbaner Räume. Der Entwurf am Bayerischen Platz verbindet industrielle Formensprache mit traditionellen Prinzipien passiver Kühlung, wobei gedrehte Ziegel kühle Luft ins Innere leiten und einen öffentlichen Rückzugsort schaffen.

„Best in Germany“ Gewinner

Erstmals wurde die Auszeichnung „Best in Germany“ verliehen, die gestalterische Qualität und nachhaltiges Bauen in der deutschen Baukultur verbindet. In dieser Kategorie wurden drei Projekte prämiert:

  • Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau: DMSW Architektur Stadt Landschaft – Ein markanter Ziegelbau in Berlin-Neukölln, der eine städtebauliche Lücke schließt und komplexe Vorgaben in eine prägnante architektonische Form übersetzt.
  • Öffentliche Bauten, Freizeit und Sport: ZILA – Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule, Köln, Deutschland – Die Erweiterung integriert sich mit rotem Wasserstrichziegel und unterschiedlichen Fugenrastern harmonisch in die heterogene Nachbarschaft und bewahrt gleichzeitig eine eigenständige Gestaltung.
  • Büro- und Gewerbebau: BIWERMAU Architekten – Maschinenzentralstation, Hamburg, Deutschland – Die Sanierung und Erweiterung der ehemaligen Maschinenzentralstation in der Hamburger Speicherstadt stellt die ursprüngliche Gestalt des UNESCO-Weltkulturerbes wieder her und macht unterschiedliche Zeitschichten ablesbar.

Die diesjährige Preisverleihung hat gezeigt, dass Ziegelarchitektur nicht nur zeitlos und ästhetisch ansprechend ist, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, urbaner Verdichtung und sozialer Verantwortung spielen kann. Die ausgezeichneten Projekte sind Inspirationsquellen für zukünftige Generationen von Architekten und Bauherren und verdeutlichen das immense Potenzial dieses traditionsreichen Baumaterials.

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