MusikMay 12, 2026, 9:17 AM

Fleas musikalische Heimkehr: "Honora" – Eine Trompeten-Odyssee

Fleas musikalische Heimkehr: "Honora" – Eine Trompeten-Odyssee
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Der Bassist der Red Hot Chili Peppers, Flea, kehrt mit seinem Soloalbum "Honora" zu seinen musikalischen Wurzeln zurück und präsentiert ein überraschendes Jazz-Werk.

Die triumphale Rückkehr zur Trompete: Fleas musikalische Offenbarung

Die Erfüllung eines lang gehegten Versprechens: Fleas persönliches Projekt "Honora"

Flea, bekannt als der dynamische Bassist der Red Hot Chili Peppers, hat sich einen persönlichen Traum erfüllt. Anlässlich seines sechzigsten Geburtstags beschloss er, seine Jugendliebe, die Trompete, wieder in sein Leben zu integrieren. Während der zweijährigen Stadiontournee seiner Hauptband widmete er sich täglich diszipliniert dem Instrument. Das Ergebnis dieser intensiven Phase ist sein erstes echtes Soloalbum, betitelt "Honora". Es ist eine reife Sammlung von Kompositionen, bei der er von führenden Persönlichkeiten der Jazzszene aus Los Angeles unterstützt wird.

Eine tiefgreifende Reise zu den musikalischen Wurzeln

Wer "Honora" als bloßes Nebenprojekt abtut, unterschätzt die Bedeutung dieses Werks. Flea verbindet sich auf diesem Album tief mit seinen frühesten musikalischen Prägungen. In seinen Memoiren beschrieb er einst den prägenden Moment seiner Kindheit, als er als Achtjähriger Jazzmusiker beobachtete – ein Erlebnis, das ihn nachhaltiger beeinflusste als jede religiöse Erfahrung. "Honora" ist somit kein flüchtiger Exkurs, sondern die konsequente Rückkehr zu einem Instrument, das er als Kind zwar erlernte, jedoch nie zur Meisterschaft führte. Der Sound des Albums unterscheidet sich dabei grundlegend von dem Funk-Rock, der ihn weltweit berühmt gemacht hat.

Vom Funk-Rock zur kompositorischen Eleganz: Fleas stilistische Transformation

Anstelle der überschwänglichen Energie früherer Tage zeichnet sich dieses Werk durch kompositorische Raffinesse aus. Fans, die Fleas charakteristische Slap-Bass-Einlagen erwarten, könnten zunächst überrascht sein. Doch wer seine einzigartige melodische Sensibilität schon immer zu schätzen wusste, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Das Album lässt sich am ehesten dem Jazz zuordnen, ist aber letztlich das Werk, das Flea schon immer schaffen wollte. Man spürt die künstlerische Freiheit, mit der er durch die Arrangements gleitet.

Vom Post-Bop zum Miles Davis-Einfluss: Klangliche Vielfalt auf "Honora"

Der Eröffnungstrack "Morning Cry" setzt sofort ein klares Statement. Mit post-bop-ähnlichen Akzenten erinnert das Stück an die Werke von Thelonious Monk. Flea navigiert mutig auf dem schmalen Grat zwischen Tonalität und Atonalität, unterstützt von Jeff Parkers markanter Gitarre. Fleas Trompetenspiel reflektiert seine Philosophie am Bass: präzise Kontrolle, auch wenn der Klang oft den Eindruck eines kontrollierten Chaos vermittelt. Der Einfluss von Miles Davis ist im gesamten Album präsent. Insbesondere "Traffic Lights" und "Frailed" evozieren den Geist von "In a Silent Way". Die Musik wirkt wie ein schnell rotierendes Gyroskop, das dennoch Ruhe ausstrahlt. Nathaniel Walcotts sphärische Keyboards tragen maßgeblich zu dieser Atmosphäre bei. In "Free As I Want to Be" zeigt Flea eine rauere Seite; sein verzerrtes Horn durchschneidet den Groove und erinnert an die experimentelle Phase von "On the Corner".

Exzellente Mitmusiker und minimale Schönheitsfehler auf Fleas Soloalbum

Die Begleitband besteht aus Musikern, die das moderne Jazz-Verständnis von Los Angeles prägen. Anna Butterss am Bass erweist sich als hervorragende Wahl; ihr elastisches Spiel gibt den Kompositionen den nötigen Raum. Auch Jeff Parker glänzt mit seiner Vielseitigkeit zwischen klaren Linien und experimentellen Klängen. Trotz der hohen Qualität gibt es vereinzelt Momente, in denen der Zauber kurz nachlässt.

Künstlerische Kollaborationen und verpasste Chancen auf "Honora"

In "Traffic Lights" liefert Thom Yorke zwar einen warmen Gesangspart, doch die textlichen Anspielungen auf moderne Popkultur wirken im Kontext des Albums etwas deplatziert. Auch die Coverversion von Frank Oceans "Thinkin Bout You" bleibt recht nah am Original. Hier verpasst Flea die Gelegenheit, dem Song eine wirklich eigene, transformative Note zu verleihen. Diese kleinen Makel sind jedoch selten und schmälern das Gesamtwerk nur minimal.

Der Höhepunkt des Albums: Fleas bewegende Interpretation von "Maggot Brain"

Das Herzstück des Albums ist zweifellos die Interpretation von "Maggot Brain". Angesichts der tiefen Verwurzelung der Red Hot Chili Peppers im P-Funk ist diese Wahl nur folgerichtig. Flea meistert diese Herausforderung brillant und fängt die Melancholie sowie die tragische Noblesse des Originals ein. Sein Spiel ist hier besonders ausdrucksstark und emotional tiefgreifend – ein wunderschönes Stück Musik, das seine technische und künstlerische Entwicklung hervorhebt.

Flea im Einklang mit seinem Instrument: Ein persönlicher Triumph

Vergleicht man diesen Auftritt mit seinen frühen Versuchen an der Trompete, wird der Fortschritt offensichtlich. Vor über dreißig Jahren wirkte er mit dem Instrument oft unsicher und deplatziert. Auf "Honora" hingegen klingt er vollkommen befreit. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Flea hat seinen Frieden mit der Trompete gefunden und dabei ein beeindruckendes Werk geschaffen.

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