František Jungvirts Glaslichtobjekte erleuchten die Villa Volman
Der tschechische Glaskünstler František Jungvirt hat eine brillante Transformation vollzogen: Er hat seine bekannten Vasenkreationen in exquisite Leuchtobjekte umgewandelt. Diese innovative Kollektion wird in der Villa Volman, einem bedeutenden funktionalistischen Bauwerk nahe Prag, präsentiert. Im Rahmen des Designblok 2026, das unter dem Motto „Licht“ stand, wurden drei seiner Vasenserien als Lichtquellen inszeniert. Die Ausstellung, die bis zum 31. Oktober 2026 zugänglich ist, bietet Besuchern nach vorheriger Reservierung die Möglichkeit, diese einzigartige Synthese aus Glasdesign und Beleuchtung zu erleben. Jungvirts Konzept harmoniert perfekt mit dem Charakter der Villa, deren Architekten Jiří Štursa und Karel Janů bereits kurvige Formen und Farbakzente in ihre rationalen Entwürfe integrierten, wodurch die gläsernen Leuchten sich nahtlos in das historische Ambiente einfügen.
Die zentrale Idee von František Jungvirt, die in der Villa Volman zur Geltung kommt, ist eine „Gefäß-zu-Licht-Transformation“. Dabei ändert sich die ursprüngliche Funktion der Glasobjekte grundlegend: Statt Blumen zu beherbergen, emittieren sie nun Licht. Obwohl die Silhouetten der Objekte unverändert bleiben, kehrt sich ihre Rolle im Raum vollständig um. Während eine Vase Aufmerksamkeit auf sich zieht, definiert eine Leuchte die gesamte Atmosphäre eines Raumes, indem sie festlegt, welche Bereiche zuerst wahrgenommen werden und welche Farben die Wände annehmen. Jungvirt argumentiert, dass seine Kreationen nicht länger bloße Einrichtungsaccessoires sind, sondern direkte Lichtquellen, die die Wahrnehmung der Architektur durch den Betrachter aktiv beeinflussen – eine mutige, aber nachvollziehbare Aussage.
Die Villa Volman, ein Meisterwerk des tschechischen Zwischenkriegsfunktionalismus, erbaut 1938–1939 von Jiří Štursa und Karel Janů, bietet den idealen Rahmen für diese gläsernen Lichtobjekte. Die Architekten integrierten expressive Kurven und eine reiche Material- und Farbpalette in ihre Entwürfe, was dem Gebäude eine emotionale Note verlieh, die über den reinen Funktionalismus hinausgeht. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde die Villa aufwendig restauriert und 2022 wiedereröffnet, ein Projekt, das 2016 den Jurypreis für sensible Restaurierung gewann. Kuratorin Zuzana Kadlečková betont, dass die Villa kein statisches Museumsstück sein, sondern sich mit jungen Künstlern weiterentwickeln soll, wofür František Jungvirt die perfekte Besetzung ist.
Die Lichtobjekte von František Jungvirt basieren auf drei seiner bestehenden Vasenserien: Garden Basic, Toy und Bloom. Jede Serie erkundet die Beziehung zwischen Glas und Licht auf unterschiedliche Weise. Für die Bewertung der Leuchten wird ein „Zwei-Zustands-Test“ angewandt: Im ausgeschalteten Zustand fungiert die Lampe bei Tageslicht als Skulptur, im eingeschalteten Zustand als farbige Lichtquelle bei Nacht. Die Serie Garden Basic mit ihren erdigen Tönen und klaren Silhouetten besteht den ausgeschalteten Zustand mühelos, gilt aber als die sicherste Wahl. Toy, mit seinen wellenförmigen Kurven, birgt ein höheres Risiko, da die Formen bei Beleuchtung leicht unruhig wirken könnten, doch die kurvige Architektur der Villa könnte hier einen Ausgleich schaffen. Die Serie Bloom, mit ihren herzförmigen, rubinroten Glasobjekten, ist die zentrale Kreation der Kollektion. Diese Leuchten strahlen ein warmes Licht aus und verleihen den Innenräumen der Villa einen intimeren Charakter. Trotz der potenziellen Kitsch-Gefahr durch Herzformen schafft die historische Umgebung der Villa ein ernsthaftes Gegengewicht und macht Bloom zu einem unvergesslichen Blickfang.
Die Herstellung dieser Lichtobjekte erfolgt in František Jungvirts Atelier in traditioneller Handarbeit. Jedes Stück wird von einem Glasbläser in eine Holzform geblasen, anschließend von Hand geschliffen und entweder mattiert oder hochglanzpoliert. Abschließend wird eine individuell angefertigte Metallstruktur mit dem Glasobjekt verbunden. Die Wahl der Oberfläche – matt oder poliert – hat einen erheblichen Einfluss auf die Lichtwirkung: Mattes Glas streut das Licht sanft und erzeugt weichere Schatten, während poliertes Glas schärfere Akzente setzt und die Lichtquelle deutlicher sichtbar macht. Obwohl technische Beleuchtungsdaten in den Pressematerialien fehlen, was für Architekten bei der Planung relevant wäre, unterstreicht die handwerkliche Präzision die Exklusivität jedes einzelnen Werkes.
František Jungvirt blickt in die Zukunft mit Plänen für größere Lichtinstallationen und monumentale Glasskulpturen für spezifische Architekturprojekte. Er möchte auch umfassendere Inneneinrichtungsprojekte übernehmen, von kleinen Objekten bis hin zu einzigartigen Kunstwerken. Sein Portfolio umfasst bereits Visualisierungen und 3D-Modelle, die Architekten in Kundenpräsentationen nutzen können. Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Architekten und der Präsenz seiner Werke in renommierten Projekten und Hotels, ist es absehbar, dass seine nächste große Beauftragung eine beeindruckende Installation in einem Treppenhaus oder Atrium sein wird. Dies könnte einen Trend auslösen, bei dem weitere tschechische Glasstudios Beleuchtungslösungen für restaurierte historische Gebäude anbieten, wobei die Villa Volman als Vorbild dient.
