MusikSep 01, 2026, 11:21 AM

Graham Coxon über Solo-Arbeit, Blur und die Wiederentdeckung seines inneren Ichs

Graham Coxon über Solo-Arbeit, Blur und die Wiederentdeckung seines inneren Ichs
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Graham Coxon, der renommierte Gitarrist der ikonischen Britpop-Band Blur und der gefeierten Art-Pop-Gruppe The Waeve, steht vor einer bedeutenden Phase seiner Karriere. Im Zuge der Neuauflage seines umfangreichen Solo-Oeuvres wird ein bisher unveröffentlichtes Werk namens „CASTLE PARK“ ans Licht der Öffentlichkeit treten. Coxon beleuchtet in einem Interview seine musikalische Evolution, seine persönlichen Kämpfe und die tiefe Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit, die während der Archivierungsarbeit zutage trat. Er gewährt intime Einblicke in seine kreativen Rituale, die Herausforderungen des Älterwerdens und die Freude an der Musik, die ihn auch nach Jahrzehnten im Rampenlicht antreibt. Diese Veröffentlichung ist nicht nur eine Rückschau, sondern auch ein Beweis für Coxons ungebrochene Schaffenskraft und seine Fähigkeit, sich stets neu zu erfinden.

Die Veröffentlichung von „CASTLE PARK“ markiert einen Wendepunkt, der Coxons künstlerische Reife unterstreicht und gleichzeitig eine Brücke zu seinen frühen Solo-Arbeiten schlägt. Es ist eine Gelegenheit für Fans und neue Hörer gleichermaßen, die vielschichtige musikalische Welt eines Ausnahmekünstlers zu erkunden, der sich nie scheute, musikalische Grenzen zu überschreiten und dabei stets authentisch zu bleiben. Coxons Reflexionen über seine Erfahrungen in der Britpop-Ära, die Gründung von The Waeve und die Balance zwischen Familienleben und künstlerischem Schaffen bieten ein umfassendes Porträt eines Musikers, der die Höhen und Tiefen des Lebens durch seine Kunst verarbeitet. „CASTLE PARK“ verspricht, ein weiteres faszinierendes Kapitel in der reichen Diskografie von Graham Coxon zu werden, das seine unverkennbare Handschrift trägt und dennoch neue klangliche Wege beschreitet.

Kreativität im frühen Morgenlicht und die Last der Vergangenheit

Graham Coxon schätzt die frühen Morgenstunden als seine produktivste Zeit, wenn das Gehirn noch nicht vollständig von alltäglichen Zwängen ergriffen ist. In dieser Phase des Erwachens, wenn die Erinnerungen an Träume noch lebendig sind, findet er sich oft in seinem Heimstudio wieder, um ohne feste Vorstellungen mit Gitarrenklängen zu experimentieren. Diese spielerische Herangehensweise ermöglicht es ihm, sich von Gewohnheiten zu lösen und unbewusste kreative Impulse zuzulassen. Seine kleine Tochter, die ebenfalls früh auf den Beinen ist, inspiriert ihn dabei manchmal ungewollt durch ihr freies Spiel und ihre Fantasie, was Coxon dazu ermutigt, kreative „Umwege“ um seine eigenen Denkmuster zu finden. Diese Momente der ungestörten Schaffenskraft sind für ihn entscheidend, um musikalische Ideen zu entwickeln, die oft im Unterbewusstsein reifen und sich erst beim Einschlafen zu fertigen Songs formen.

Die Beschäftigung mit seinem umfangreichen Backkatalog für die Neuveröffentlichung ist für Coxon eine Reise in die Vergangenheit, die sowohl schöne als auch schmerzhafte Erinnerungen hervorruft. Insbesondere seine frühen Soloalben, entstanden in einer Zeit persönlicher Unzufriedenheit und Alkoholprobleme während seiner Blur-Jahre, lassen ihn über seine damalige Naivität und Selbstzweifel nachdenken. Er reflektiert über seine Tendenz, Hilfe abzulehnen und alles allein bewältigen zu wollen, sowie seinen Wunsch, musikalische Pfade zu erkunden, die Blur nicht gegangen wäre. Diese intensive Auseinandersetzung mit seinen früheren Werken – von akustischen Stücken bis hin zu experimentellem Lärm – zeigt, wie er die Musik nutzte, um innere Konflikte auszudrücken und seine Schüchternheit sowie seine latente Angst vor anderen Menschen zu verarbeiten. Trotz dieser Herausforderungen beschreibt er sich als einen im Grunde optimistischen Menschen, dessen künstlerischer Ausdruck oft ein Paradoxon darstellt.

„CASTLE PARK“: Ein Album der Unbeschwertheit und der Selbstakzeptanz

Das unveröffentlichte Album „CASTLE PARK“ aus dem Jahr 2012, das nun im Rahmen seiner Retrospektive erscheint, offenbart eine ungewöhnlich unbeschwerte Seite von Graham Coxon. Titel wie „Alright“ und „Easy“ sowie spielerische Elemente erinnern an die Leichtigkeit der Beach Boys und stehen im starken Kontrast zu seinem oft düsteren Werk „A + E“ aus dem Jahr 2011. Während „A + E“ das nächtliche Leben einer Clubszene in Leeds musikalisch einfängt, wirkt „CASTLE PARK“ wie der befreite Morgen danach, ein Gefühl der Dankbarkeit, nicht verkatert zu sein. Diese beiden Alben, obwohl in denselben Sessions entstanden, wurden bewusst getrennt – „A + E“ digital abgemischt, „CASTLE PARK“ auf Band aufgenommen, was ihre unterschiedlichen Klangbilder prägt. Der Titel des Albums, „CASTLE PARK“, bezieht sich auf einen Ort aus Coxons Jugend in Colchester, der für ihn Erinnerungen an jugendliche Abenteuer und erste Küsse birgt und eine Reflexion seiner Heranwachsens darstellt.

Coxon reflektiert auch über seine Entwicklung als Sänger, die er als langsamen Prozess der Selbstakzeptanz beschreibt. Während er in den 90er Jahren eher widerwillig zum Mikrofon griff und seine Stimme auf Stücken wie „Coffee & TV“ zurückhaltend wirkte, zeigt er auf den neuen Liedern von „CASTLE PARK“ wie „When You Find Out“ eine neue stimmliche Offenheit. Er erkennt, dass es eine gewisse Reife erfordert, sich seiner Stimme hinzugeben, und dass die Arbeit an Soundtracks ihm dabei geholfen hat, unterschiedliche Rollen einzunehmen und seine stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen über seine Gesangsfähigkeiten ist Coxon mittlerweile alt genug, um sich davon nicht mehr beeinflussen zu lassen. Er konzentriert sich darauf, dem Song das zu geben, was er braucht, und sein Selbstbewusstsein beiseitezulegen. Diese Einstellung überträgt sich auch auf seine Arbeit mit Rose Elinor Dougall bei The Waeve, wo er versucht, ihre Stimme durch einen reduzierten Gitarreneinsatz optimal zur Geltung zu bringen und einen weniger „maskulinen“ Sound zu kreieren.

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