Kali Malone: Ein emotionaler Überwältigungshammer mit Orgel-Drone-Sound
Das neueste Werk von Kali Malone, einer akademisch ausgebildeten Komponistin aus Schweden, markiert einen Wendepunkt in ihrer musikalischen Laufbahn. Nach Ausflügen in Vokal- und elektroakustische Musik hat Malone in der Orgel ihre wahre Berufung gefunden. Ihre intensive Auseinandersetzung mit diesem Instrument führte sie sogar zu einer Ausbildung als Orgelstimmerin, um die tiefgreifenden Möglichkeiten der „Königin der Instrumente“ vollständig zu erfassen. Das Ergebnis ist ein Album, das als emotionaler Überwältigungshammer beschrieben wird und eine neue Ära der Orgelmusik einläutet.
Malones Ansatz unterscheidet sich fundamental von traditionellen Organisten, die oft den musikalischen Vorgaben ihrer Gemeinden folgen. Sie strebt eine innovative Orgelkultur an, die experimentelle Klangwelten erforscht. Ihr Album, das in der berühmten Thomaskirche zu Leipzig aufgenommen wurde – einem Ort, der untrennbar mit Johann Sebastian Bach verbunden ist –, präsentiert eine minimalistische Klangästhetik in maximaler Ausführung. Die Künstlerin spielt auf der neuen Bach-Orgel, die im Jahr 2000 geweiht wurde, und schafft dabei eine Atmosphäre, die gleichermaßen dröhnend, aufwühlend und dennoch tröstlich wirkt.
Unterstützt wird Malone auf diesem musikalischen Projekt von ihrem Ehemann Stephen O’Malley, einem bekannten Gitarristen der Drone-Metal-Band SunnO))), sowie der Cellistin Lucy Railton. Die auf dem Album präsentierten Akkorde dehnen sich gefühlt über unendlich lange Zeiträume aus, wobei minimale harmonische Verschiebungen und düstere Dissonanzen eine tiefere Ausdruckskraft besitzen als so mancher dystopische Text ehrgeiziger Alternative-Bands. Dies erfordert vom Hörer Geduld und Aufmerksamkeit, wird aber mit einem einzigartigen und lohnenden Klangerlebnis belohnt. Besonders hervorzuheben ist der Titel „Bells On A Branch“, der wie ein ausgedehnter Mittelteil einer Motette klingt und die Schönheit sowie den monumentalen Charakter geistlicher Orgelmusik in Zeitlupe einfängt.
Dieses Album ist ein Zeugnis von Malones Bestreben, die Grenzen der Orgelmusik zu erweitern und das Instrument in einem völlig neuen Licht zu präsentieren. Es ist ein kraftvolles Werk, das die Zuhörer auf eine introspektive Reise mitnimmt und die traditionellen Vorstellungen von Orgelklängen in Frage stellt, indem es die emotionale Tiefe und klangliche Vielfalt dieses ehrwürdigen Instruments neu interpretiert.
