Sophia Kennedy im Gespräch: Musik, Lebensanschauung und unerwartete Leidenschaften
Sophia Kennedy: Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen der Künstlerin
Der Sound des Lebens: Mehr Schnaps als Cocktail
Sophia Kennedy beschreibt ihre Musik als herb, vergleichbar mit einem Schnaps, der einen Salzrand und sogar schrecklich-wunderbare Fake-Kirschen hat. Diese unkonventionelle Beschreibung unterstreicht ihre einzigartige musikalische Identität. Sie gibt zu, in Interviews normalerweise keinen Alkohol zu trinken, lässt sich aber an diesem Abend auf ein Glas Grauburgunder ein, bevorzugt Weißwein über Rotwein und schätzt bodenständige Küche.
Die Kunst der Selbstinszenierung: Zwischen Image und Authentizität
Kennedy lehnt ein klares Image ab und sieht es als Belastung für Marketingabteilungen. Dennoch gesteht sie, bewusst ästhetische Entscheidungen zu treffen und sich sogar für bestimmte Auftritte umzuziehen, um die „Person, die diese Songs singt“ zu verkörpern. Für sie sind Fragen des Images „shr lustig“, während ihre grundsätzliche Einstellung zum Leben eher negativ ist, obwohl sie oft gut gelaunt ist.
Klangexperimente und die Abneigung gegenüber Perfektion
Sophia Kennedy erzählt, dass sie keine Feldaufnahmen von quietschenden Zügen macht, sich aber dennoch für das Abwegige interessiert. Ihre Kreationsprozesse reichen von klaren Visionen, die sofort umgesetzt werden müssen, bis hin zum experimentellen Verdrehen von Samples und Sounds an Klavier oder Synthesizern. Das Vertraute dient ihr dabei als Basis, um daraus Neues und Unerwartetes zu schaffen. Sie meidet zu viel Seriosität und polierte Perfektion in der Musik, da ihr das „Geheimnis“ oder das „Wackeln“ fehlt. Sie betont, dass Musik einen gewissen Witz haben sollte, der mit größter Ernsthaftigkeit vorgetragen wird.
Alkohol und persönliche Grenzen: „Kenn dein Limit“
Obwohl sie Alkohol grundsätzlich meidet, lebt Kennedy nicht strikt nach diesem Vorsatz. Sie erinnert sich an frühere Zeiten, in denen das Trinken auf der Bühne dazugehörte, was sie heute aber kaum noch macht, da es sie zu nervös macht. Die Aussage „Man muss sein Limit kennen“ wird ironisch mit der alten Kampagne „Kenn dein Limit“ und einem Autobahnschild verglichen. Kennedy gesteht, dass sie wegen ihrer Links-rechts-Schwäche nicht Auto fahren kann und die Vorstellung, dies zu tun, sie überfordern würde. Sie vertraut lieber Google Maps, selbst wenn es sie im Kreis führt.
Unerwartete Hobbys: Die Faszination der Trüffelsuche
Angesprochen auf alternative Aktivitäten, offenbart Kennedy ihre Faszination für die Trüffelsuche. Eine Dokumentation über Menschen, die mit Hunden und Trüffelschweinen im Wald suchen, hat in ihr die Vorstellung einer Schatzsuche geweckt, die entspannend wirken könnte.
Barkultur und Karaoke: Ein europäisches Phänomen
Obwohl in den USA geboren, sieht Kennedy die Barkultur als etwas zutiefst Europäisches. Sie genießt es, auch in „tristen Städten“ tolle Leute zu treffen, und erzählt von einem unvergesslichen Karaoke-Abend nach einem Konzert. Für sie ist Karaoke eine besondere Herausforderung, da Singen ihr Beruf ist, und der „Ich trau mich jetzt zu singen“-Moment für sie mit noch größerer Überwindung verbunden ist.
Die größte Wertschätzung: Wenn Songs ein Eigenleben entwickeln
Die Idee, dass jemand einen ihrer Songs covert, rührt Sophia Kennedy zutiefst und wäre für sie die größte Wertschätzung – besonders wenn etwas völlig Neues daraus entsteht. Sie betont, dass ihr Ego zwar existiert, aber sobald ein Song veröffentlicht ist, er nicht mehr ihr allein gehört, sondern allen. Musik zu veröffentlichen bedeutet für sie, ein Teil der Welt zu sein, mit der einzigen Ausnahme, dass bestimmte Personen wie Donald Trump davon ausgeschlossen wären.
