Deutscher Ingenieurbaupreis 2026: Sieben Bauwerke für Staatspreis nominiert
Der Deutsche Ingenieurbaupreis 2026 hat seine sieben Finalisten bekannt gegeben. Dieser renommierte Staatspreis, der alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und der Bundesingenieurkammer vergeben wird, zeichnet herausragende Leistungen im Ingenieurbau aus. Mit einem Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro ist er die höchste staatliche Anerkennung für Ingenieurbauwerke in Deutschland. Die Auswahl erfolgte aus 41 Einreichungen, wobei Projekte berücksichtigt wurden, die technische Innovation, Nachhaltigkeit, hohe gestalterische Qualität und einen ressourcenschonenden Ansatz miteinander verbinden.
Unter den Nominierten finden sich beeindruckende Beispiele modernen Ingenieurbaus, die das Spektrum von digital unterstützter Bauwerkserhaltung bis hin zu innovativen Holz-Hybridtragwerken abdecken. Ein herausragendes Projekt ist der Bauhaus-Archiv Tower in Berlin, ein fünfgeschossiger Stahl-Holz-Hybridbau von B+G Bollinger und Grohmann Ingenieure, der durch stützenfreie Innenräume und ein unregelmäßiges Außentragwerk aus Stahl besticht, basierend auf computergestützten Planungs- und Fertigungsmethoden. Ein weiteres beeindruckendes Bauwerk ist die "Silver Arrow" Brücke über die Emscher in Castrop-Rauxel, eine über 400 Meter lange Ganzstahlbrücke von INGE Schüßler-Plan mit DKFS, deren mehrfach gekrümmte Konstruktion vollständig digital optimiert wurde, um Geometrie, Tragverhalten und Materialeffizienz zu maximieren. Auch das Chemnitzer Viadukt, ein Projekt der KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, das nach dem Prinzip des "Weiterbauens im Bestand" instandgesetzt wurde, wurde nominiert. Hierbei wurden gezielte Verstärkungen und der Austausch einzelner Bauteile vorgenommen, um die historische Eisenbahnbrücke an heutige Anforderungen anzupassen und für den langfristigen Bahnbetrieb zu sichern. Die Hyparschale Magdeburg von der Carbocon GmbH zeigt eine innovative Sanierung mit Carbonbeton, die die Tragfähigkeit des Ulrich Müther entworfenen Schalentragwerks wiederherstellte und gleichzeitig erhebliche CO₂-Einsparungen ermöglichte. Das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen von str.ucture GmbH beeindruckt mit einem Tragwerk aus heimischer Weißtanne, das historische Kubaturen nachbildet und Stabilisierungseffekte für angrenzende Gebäude bietet, einschließlich der Berücksichtigung von Erdbebenlasten. Die Brücke über den Seeblickweg in Stuttgart, realisiert von Harrer Ingenieure, ist eine integrale Zweifeldkonstruktion in Holz-Carbon-Beton-Verbundbauweise, die die Druckfestigkeit von Beton, die Zugfestigkeit von Carbon und die Nachhaltigkeit von Holz vereint. Schließlich wurde die Nibelungenbrücke in Worms von der MKP GmbH nominiert, die sich auf digitale Bauwerkserhaltung konzentriert. Durch Bestandsanalysen, Monitoring-Systeme und modellbasierte Nachrechnungen konnte die Restnutzungsdauer der Spannbetonbrücke verlängert werden, wobei ein digitaler Zwilling als Grundlage für Zustandsbewertungen und Tragfähigkeitsprognosen dient.
Diese Projekte demonstrieren eindrucksvoll, wie Ingenieurbaukunst nicht nur technische Herausforderungen meistert, sondern auch einen positiven Beitrag zu ökologischer Verantwortung und ästhetischer Gestaltung leistet. Sie sind Vorbilder für eine nachhaltige Zukunft im Bauwesen und zeigen, wie innovative Lösungen die Lebensqualität verbessern und den Fortschritt vorantreiben können. Diese Auszeichnungen ehren nicht nur die Ingenieure für ihre Kreativität und Präzision, sondern ermutigen auch die gesamte Baubranche, weiterhin nach Exzellenz und wegweisenden Konzepten zu streben, die unsere gebaute Umwelt positiv prägen.
