DesignAug 04, 2026, 8:15 AM

Die Wirkung von Kartendesign auf unsere Weltsicht: Eine Analyse der Equal Earth-Projektion

Die Wirkung von Kartendesign auf unsere Weltsicht: Eine Analyse der Equal Earth-Projektion
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Weltkarten sind weit davon entfernt, objektiv zu sein; ihre Darstellungsweisen prägen maßgeblich unsere Wahrnehmung von Dimensionen und globaler Relevanz. Equal Earth bietet hierzu eine maßstabsgerechte, transparente Alternative zur traditionellen Mercator-Projektion. Die Wahl des Kartenmaterials ist heutzutage eine entscheidende Designfrage. In diesem Kontext stellt sich die Frage, welche Implikationen dies für ethisches und dekolonialisiertes Design, Datenvisualisierung, redaktionelle Inhalte sowie UX/UI hat. Ich habe mich mit Tom Patterson, einem der Entwickler von Equal Earth, darüber unterhalten, wie sich Informationsfülle und ansprechende Gestaltung in Einklang bringen lassen.

Karten gestalten unsere Wahrnehmung – Equal Earth als neue Perspektive

Die Neutralität von Weltkarten und die Macht der Projektionen

Weltkarten sind niemals wirklich unvoreingenommen. Die Art und Weise, wie sie gezeichnet werden – ihre Projektionen – beeinflusst grundlegend, wie wir Kontinente und Länder in Bezug auf ihre Größe und Bedeutung wahrnehmen. Equal Earth bietet hierbei eine flächentreue und offene Alternative zur immer noch weit verbreiteten Mercator-Projektion, welche die nördlichen Landmassen stark vergrößert darstellt.

Kartendesign als ethische und dekoloniale Herausforderung

Die Nutzung von Kartenmaterial ist heute mehr denn je eine Frage des Designs. Dies betrifft nicht nur ästhetische Aspekte, sondern auch ethische und dekoloniale Überlegungen. Es geht darum, wie wir durch die visuelle Darstellung die Welt verstehen und ob diese Darstellung der Realität gerecht wird. Hier spielen Datenvisualisierung, redaktionelle Aufbereitung und User Experience (UX)/User Interface (UI) Design eine zentrale Rolle.

Informationsdichte und zugängliche Gestaltung: Eine Gratwanderung

Ein wesentlicher Diskussionspunkt ist, wie sich eine hohe Informationsdichte mit einer zugänglichen und verständlichen Gestaltung verbinden lässt. In einem Gespräch mit Tom Patterson, einem der Mitentwickler von Equal Earth, wurden diese Aspekte eingehend beleuchtet, um zu verstehen, wie die neue Projektion diesen Spagat meistert und ein realistischeres Weltbild fördert.

Die "Correct the Map"-Kampagne und ihre globalen Auswirkungen

Vergangenes Jahr starteten die afrikanischen Organisationen „Africa No Filter“ und „Speak Up Africa“ die Kampagne „Correct the Map“. Ihr erklärtes Ziel ist es, Schulen, internationale Institutionen und Medien dazu zu bewegen, die Equal Earth-Projektion zu nutzen. Damit soll eine realistischere Darstellung der Größe Afrikas erzielt werden, die sich nicht nur geografisch, sondern auch visuell-politisch auswirkt und Afrika in seinen tatsächlichen Dimensionen sichtbar macht.

Kritik an der Mercator-Projektion und internationale Unterstützung

Diese Kampagne stellt sich dezidiert gegen die über Jahrhunderte etablierte visuelle Norm der Mercator-Projektion, die seit Langem kritisiert wird. Die Afrikanische Union mit ihren 55 Mitgliedstaaten hat diese Initiative im August 2025 offiziell unterstützt, was zu einer weitreichenden internationalen Berichterstattung führte. Togo plant sogar, dieses Anliegen im September 2026 vor die UN-Generalversammlung zu bringen, um eine globale Veränderung herbeizuführen.

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