„Hofhäuser“: Joann Plockovas umfassende Untersuchung der modernen Hofhausarchitektur
Das kürzlich erschienene Buch „Hofhäuser“ von Joann Plockova, veröffentlicht von The Monacelli Press, widmet sich der einzigartigen Welt der Hofhausarchitektur. Im Gegensatz zu vielen allgemeinen Architekturpublikationen konzentriert sich dieses Werk ausschließlich auf das Konzept des offenen Innenhofs und dessen Integration in 20 ausgewählte zeitgenössische Wohngebäude. Es bietet eine tiefgehende Analyse, wie Architekten den Innenhof nutzen, um Licht, Belüftung und Privatsphäre zu optimieren und schafft damit eine umfassende Ressource für Fachleute und Interessierte, die sich mit dieser speziellen Bauweise auseinandersetzen möchten.
Das Kernprinzip des Hofhauses, nämlich Räume um einen offenen Bereich herum anzuordnen, wird detailliert beleuchtet. Plockova zeigt, wie diese Anordnung maßgeblich das Design eines jeden Zimmers beeinflusst, insbesondere in Bezug auf den Einfall von Tageslicht und die Schaffung intimer Außenbereiche. Die Vorstellung eines Wohnraums, der sich nach innen orientiert, steht im Kontrast zu traditionellen Ansätzen, bei denen Terrassen oft nach außen gerichtet sind. Diese innere Ausrichtung schützt vor neugierigen Blicken und schafft einen privaten Rückzugsort, der weniger von äußeren Gegebenheiten abhängig ist. Historische Beispiele wie die Kingo-Häuser von Jørn Utzon und Mies van der Rohes Hofhausentwürfe unterstreichen die zeitlose Relevanz dieses architektonischen Typs, dessen moderne Ausführungen durch verbesserte Verglasung und Isolierung auch in anspruchsvolleren Klimazonen realisierbar sind.
Für die Analyse von Hofhausentwürfen schlägt die Rezension vier eigene Begriffe vor: „Himmelbudget“ (Sky Budget) misst den Anteil der offenen Hoffläche an der gesamten Grundfläche und dient als Indikator für dessen Funktion als Lichtquelle oder als vollwertiger Raum. Der „Lichtkreislauf“ (Light Loop) beschreibt, wie das Tageslicht im Laufe des Tages durch den Hof wandert und verschiedene Räume beleuchtet. Der „Innentest“ (Inward Test) bewertet die Funktionalität eines Hauses, wenn die Straßenfront abgeschirmt wird, um die Abhängigkeit vom Innenhof zu prüfen. Schließlich definiert die „Trockenroute“ (Dry Route) die Zugänglichkeit des Hofs bei Regenwetter und betont die Bedeutung überdachter Wege.
Plockovas vorheriges Buch „Come Together: The Architecture of Multigenerational Living“ befasste sich mit einem sozialen Thema, während „Hofhäuser“ einen räumlichen Ansatz verfolgt, der als langlebiger betrachtet wird. Das Buch, das am 15. Oktober 2025 erschien, umfasst über 150 Farbfotografien auf 224 Seiten und stellt 20 zeitgenössische Beispiele von Architekten wie Craig Steely Architecture, MWWorks und Leckie Studio vor. Die präsentierten Projekte erstrecken sich über verschiedene Kontinente und Klimazonen, von Hawaii über Mexiko bis Australien, und zeigen die Anpassungsfähigkeit und Vielseitigkeit des Hofhauskonzepts.
Das Buch „Hofhäuser“ richtet sich an ein breites Publikum, darunter Architekten, Innenarchitekten und Selbstbauherren. Für Architekten bietet es wertvolle Präzedenzfälle und Inspiration, während Innenarchitekten die Schnittstellen zwischen Innen- und Außenraum studieren können. Selbstbauherren erhalten vor dem Beginn eigener Projekte wichtige Einblicke. Das Werk wird als anspruchsvolles Coffee Table Book mit einem klaren thematischen Fokus empfohlen. Kritisiert wird jedoch, dass es sich primär auf Fotografien konzentriert und weniger auf detaillierte Bauzeichnungen, was für Leser, die sich für Konstruktionsdetails interessieren, eine Einschränkung darstellen könnte.
Die zukünftige Entwicklung der Hofhausarchitektur wird in drei Prognosen skizziert. Erstens werden Hofhäuser voraussichtlich eine Standardstrategie zur Kühlung in Zeiten steigender Energiekosten, da sie Schatten und Querlüftung effektiv nutzen. Zweitens wird diese Bauweise zunehmend bei städtischen Nachverdichtungen eingesetzt, um auf schmalen Grundstücken Privatsphäre zu gewährleisten und Außenbereiche zu schaffen. Drittens wird eine Zunahme von Publikationen zu ähnlichen Typologien wie Atrien und Lichthöfen erwartet, da „Hofhäuser“ gezeigt hat, dass ein einziger architektonischer Typ ausreichend Material für ein umfassendes Buch bietet.
